Helmuth Graf von Moltke
Helmuth Graf von Moltke, der 1822 in preußische Dienste trat, wurde am 26. Oktober 1800 in Parchim als Sohn eines Gutsbesitzers und Offiziers geboren. Im dänischen Kadettenkorps in Kopenhagen wurde er erzogen und zum Leutnant ausgebildet.
Nach seiner Tätigkeit im Großen Generalstab war er 1835 bis 1839 Militärberater und Mitglied der preußischen Militärkommission in der osmanischen Armee. Nach 1840 in Stabsstellungen beschäftigt, wurde er 1848 Chef des Generalstabes des IV. Armeekorps in Magdeburg. Sieben Jahre später wurde er Adjutant des künftigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Nach Übernahme der Regentschaft ernannte ihn Wilhelm 1. zum Chef des Großen Generalstabes. Diese bisher einflusslose militärische Institution baute Moltke zu einem wichtigen politischen und militärischen Instrument aus. Er modernisierte die Stabsorganisation sowie die Planungs- und Führungstechnik.
Bis zu seinem Tod war Moltke Präsident der Landesverteidigungskommission. Seit 1861 war er Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der russischen Akademie.
Moltkes militärische Vorbilder waren Napoleon und Clausewitz. Er galt als Vernichtungsstratege. In die Kriegführung zog er alle technischen Hilfsmittel, zum Beispiel Eisenbahn und Telegraphie, ein. Seinen Unterführern gab er einen großen Handlungsspielraum. Moltke trug als Feldherr entscheidend zum Sieg Preußens über die Österreicher 1866 und über die Franzosen 1870/71 bei. Niemals wurde er in einer Schlacht geschlagen. Der Historiker Theodor Mommsen schätzte Moltke als vorzüglichen Militär- und Reiseschriftsteller, "der die Schlachten so zu beschreiben verstand wie zu gewinnen."
Als Humanist glaubte Moltke an die Vernunft. Politisch trat er für die Vereinigung Deutschlands unter preußischer Führung in Form eines liberalen Nationalstaates ein. Mit Bismarck, seinem Zeitgenossen, war er sich allerdings nur hinsichtlich der Sozialpolitik einig. Als Mensch war Moltke anspruchslos und wortkarg.
Abgesehen von Berlin war Magdeburg der Garnisonsort, in welchem der General die längste Zeit seines Lebens verbracht hat. Er wohnte am Domplatz 7 und später am Breiten Weg 213. Unter anderem auch aus diesem Grunde schlug der Magistrat am 9. Oktober 1870 vor, Moltke zu ehren: "Die Verdienste des Generals um das Vaterland sind in aller Munde und werden gerade jetzt in allen deutschen Ländern auf das lebhafteste gepriesen. Deshalb erklärt es sich, daß vornehmlich die Bürger der Stadt Magdeburg, in welcher der General solange gelebt hat, sich gedrungen fühlen, an diesen allgemeinen Lobpreisungen und den Bezeigungen Theil zu nehmen..." Die Stadtverordnetenversammlung stimmte am 13. Oktober 1870 dem Vorschlag zu, Helmuth Graf von Moltke anlässlich seines 70. Geburtstages die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.
Den Ehrenbürgerbrief fertigten der Kalligraph Wendel und der Hofbuchbindermeister Schwarz, beide Berlin, für 300 Taler und 25 Groschen an.
Die Kunde von der Ehrenbürgerschaft erreichte Graf Moltke im November 1870 in Versailles. Ein Danktelegramm welches er dem Magistrat der Stadt Magdeburg übersandte, kündet davon.
Nachdem sich Moltke die Zustimmung des Königs eingeholt hatte, war er zum Empfang des Ehrenbürgerbriefes bereit. "Am 29. (März 1871, d.V.) ist die Deputation bestehend aus dem Oberbürgermeister (Hasselbach, d.V.), dem Stadtrat Bötticher, Generaldirektor Listemann und Commerzienrat Coste, sowie aus dem Propst Herbst, und Fabrikant Duvigneau, und Stadtbaumeister Marcks nach Berlin gereist und haben das Diplom und die Geschenke überreicht, welche der Graf von Moltke mit vieler Freundlichkeit in Empfang genommen.
Hiermit ad acta!
gez.: Hasselbach. 2 April"
Helmuth Graf von Moltke war seit 1867 Abgeordneter des Norddeutschen Reichstages und seit 1871 bis zu seinem Tod am 24. April 1891 Mitglied des Reichstages.
(Quelle: Broschüre Magdeburger Ehrenbürger, Landeshauptstadt Magdeburg 1994)